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(Islam ist “Frieden, Reinheit, Hingabe” und “Gehorsam”) "Der Mensch ist Richter über die Worte die er noch nicht ausgesprochen hat und Gefangener seiner Worte nachdem er es ausgesprochen hat." Hazreti Ali 7.Jh & 'Daß du das Band knüpfst zu dem, der es zerreßt; daß du verzeihst dem, der dir Unrecht tut; daß du gibst dem, der dich beraubt."(Der Prophet Muhammed sallallahu 'aleihi wesellem)
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 Tasawwuf
Kemal06 Offline

Mitglied

Beiträge: 559

17.06.2008 12:19
Über Sufis und den Weg antworten

Der grosse Islam-gelehrte Soziologe und Historiker Ibn Khaldun (gest. 1406) berihtet über den Ursprung der Sufis in " Mukaddima" (aus: Erkenntniss des Sufismus , Ibn Haldun, Dr. Herman Frank, 1884, Leipzig) :


"Was ihren (Sufitum) Ursprung anlangt, so hat der Weg, den diese Leute verfolgen, bei den Ältesten und Bedeutensten der (islamischen) Religionsgemeinschaft, nämlich der Zeitgenossen des Propheten und deren unmittelbaren und späteten Nachfolgern immer als der wahre und richtige Weg gegolten. Ursprünglich bestand sie in der eifrigen Erfüllung der gottesdienstlichen Handlungen, aus der ausschliesslichen Hingabe an Allah, ferner in der Abkehr von weltlichem Flitter und Tand, sowie in der Enthaltsamkeit in Bezug auf das, worauf die grosse Menge ihr Augenmerk richtet, wie Genuss , Besitz, Ehren, ferner darin, dass man sich zurckzieht von den leuten in die Einsamkeit, um sich der Verehrung Allahs zu widmen. Und dies war (ja) allgemein unter den Jüngern und frühesten Anhängern des Propheten. Aber nachdem im zweiten Zeitalter (2.Jahrhundert) und später der weltliche Sinn allgemein wurde und die Leute dazu neigten, sich in das weltliche Leben zu mischen, da wurden die thätigen Gottesverehrer mit dem besonderen Namen al-Sufija und al-Mutasavvifa benannt." (Zitat Ende)


Die Sufis sagten, dass es notwendig ist nicht nur Gebote und Verbote des Propheten (Friede sei mit Ihm) sondern auch alle seinen Gewohnheiten und moralischen Prinzipien zu beachten, um wahrer Moslem zu sein und richtig verstehen zu können, was im heiligen Koran steht. Dafür ist folgendes erforderlich:


1) Armut (fakr): Dessen bewusst zu sein , dass man bei jeder Tat, für jedes Ding ALLAH den Erhabenen benötigt. Niemand und Nichts kann irgendwie Dinge erschaffen. Nur dient alles als Mittel für die Erschaffung von ALLAH dem Erhabenen.


2) Asketische Frömmigkeit und Frömmigkeit ( Zühd und Taqwa ) : Bei jeder Angelegenheit das auszuführen, was der Islam vorschreibt [sich in jedem Tun, in jeder Handlung nach den Vorschriften des Islam zu richten], arbeiten, wobei man alle Bestimmungen der islamischen Religion beachtet, Wohltat erweisen [Gutes tun], seine Freizeit mit Gottesdienst verbringen. Das Wort „ Sufi “ wird heute als „Sofu“ ausgesprochen und für fromme Menschen verwendet.


3) Gedenken, Schweigen und Rezitieren ( Tafakkur, Schweigen , Zikr ): Stets an die Geschöpfe und die Gnaden ALLAH des Erhabenen denken, niemals nutzlos reden, sich nicht in die Angelegenheit von anderen einmischen, mit keinem streiten, so wenig wie möglich reden und andauernd den Namen ALLAHs wiederholen.


4) Zustand und Ehrenstelle ( Hal und Maqâm ):bedeutet durch das Licht das im Herzen erscheint den Rang seiner gereinigten Seele wahrnehmen zu können und wissen was einen zusteht.
Der erste berühmte Mystiker , Gelehrte des Tasawwuf ( Sufismus ) ist Hasan al - Basri
(Friede sei mit ihm) (gest. 727 n. Chr.)...

...nach dem Glauben der Gelehrten des Tasawwuf, ist die wirkliche Existenz (Wesen) nur ALLAH, der Erhabene. ALLAH ,der Erhabene ist die absolute Existenz , die absolute Güte und die absolute Schönheit. Er war ein verborgener Schatz und wollte Sein Selbst bekannt machen. Das ist die Ursache dafür, dass ER das Weltall und allen Wesen darauf erschaffen hat. Aber ER ist in keinem Geschöpf. Kein Mensch kann die Eigenschaft der Gottheit begreifen. Er hat die Eigenschaften des Menschen ähnlich Seinen eigenen Eigenschaften erschaffen. Aber diese Ähnlichkeit ist sehr gering, so, dass die Eigenschaften, die der Mensch besitzt, im Vergleich zu ALLAHs Eigenschaften erst einen Tropfen Wasser aus dem Ozean bedeuten könnte. Das Ziel des Tasawwuf ist "himmlische Erkenntnisse" (marifât-i ilâhiyye) zu erreichen, das heisst, die Eigenschaften ALLAH des Erhabenen zu kennen . Es ist unmöglich, für den Menschen, Seine Persönlichkeit zu kennen. Der Prophet (Friede sei mit Ihm) sagte: „Denk nicht über ALLAHs Persönlichkeit nach. Denkt an die Segen , die von Ihm kommen!“ , das heisst man braucht an Seine eigene Persönlichkeit nicht zu denken, sondern an Seine Attribute und an die Segen, die Er den Menschen gab und gibt. Einmal sagte er auch: „Wenn man daran denkt, wie ALLAH ist, ist alles , was einem darüber in den Sinn kommt, nicht ALLAH.“ Die Kapazität des menschlichen Verstandes ist beschränkt. Alles, was ausserhalb der Grenze der menschlichen Verstandes steht, kann nicht begriffen werden. Kein menschlicher Verstand und kein Gedanke kann verborgene Einzelheiten und Ursachen über Kenntnisse der Religion ( dem Islam ) verstehen (Anmerkung: die Nichtverborgenen kann man verstehen oder Teilsverborgene teils)

Über Sufis

„Allgemein gesagt führt die Sache zu einer Nähe Allahs , die sich die eine Gruppe annähhernd als Innewohnen (hulul), die andere als Vereinigung (ittihad) und noch andere als Erlangung (wusul) vorstellt. All dies ist falsch. Wir zeigen die Gründe in unseren Buch „al Maqsid al-asna“ ( „das erhabenste Ziel“) ...
„Allgemein ausgedrückt : Wem nicht etwas davon durch Schmecken (islamisch-mystische Erfahrung) beschert ist, wird von der Wirklichkeit der Prophetie nichts anderes als den Namen erfahren (oberflächlich kennen). Die Wundertaten der Heiligen (Sufis) (karama oder keramet) stellen die ersten Kennzeichen der Propheten dar. Dieses war der anfängliche Zustand des Gesandten Allahs Muhammad – Segen und Friede sie auf ihm- als er zu dem Berg Hira ging , wo er mit seinem Schöpfer allein war und betete, so dass die Araber von ihm sagten : „Muhammad liebt seinen Gott leidenschaftlich.“ Dies ist ein Zustand , der von demjenigen als Wirklichkeit durch Schmecken empfunden wird, der sich auf diesem Weg begibt.. Wem dieses Schmecken nicht selbst geschenkt wird, der kann sich durch Erfahrung und Bericht anderer sich darüber vergewissern, wenn er häufig mit ihnen ( den wahren Sufis, nicht Psydosufis) verkehrt, damit er aus Indizien dies mit Sicherheit versteht. Wer auch immer an ihrer Gesellschaft teilnimmt , gewinnt von ihnen diesen Glauben. Denn sie sind Leute , deren Gefährte niemals unglücklich ist.. Wenn aber diese Gesellschaft nicht geschenkt wird, der sollte durch eindeutige Beweise die Gewissheit der Möglichkeit dieses Zustandes erfassen , wie wir dies in unserem Buch „ Adschaib al qalb“ ( „Die Wunder des Herzens“) aus dem „Ihya al ulumiddin“ („Widerauflebung der Religionswissenschaften“) dargestellt haben. (S.47-48)
Imam Ghazali , aus “Der Erretter aus dem Irrtum“

Der Autor des Buches „Hadarat-ül kuds“ (Bedreddin Serhendi) schreibt in der neunundneunzigster Seite :“ Ich studierte unter Imam Rabbani die Bücher Buchari ( Hadithsammlung) , Mischkat ( Hadithe), Hidaye ( Rechtsbuch der Hanafi-Rechtschule) und Scherch-i Mewakif ( Buch über die Glaubenslehren des Islam ). Er förderte die Jungendlichen zum Studium der Wissenschaften. Er pflegte zu sagen :„ Zuerst Wissenschaft dann Tarikat (Weg des Tasawwuf,Sufitum)“. Als er sah ,dass ich mich vom Wissenschaft fernbliebt und dass ich Tarikat genoss, hatte er Erbarmen und sagte : „Lies Bücher ! Lerne Wissenschaft ! Ein unwissender Sufi wird zum Spielzeug des Satans“. Er sagte : “Rütbetül-ilmi a´ler rüteb“ das heisst : Der höchste Rang ist der Rang der Wissenschaft ( Ilim )“.

Ahmed ibn Kemal Effendi, der große Gelehrte, der Scheich-ül-Islam, Friede sei mit ihm, im Osmanischen Reich erklärte:
“Was der Scheich und sein Schüler zuerst tun sollten, ist, der islamischen Gesetzgebung zufolgen. Das islamische Religionsgesetz bedeutet im allgemeinen alles, was von ALLAH, dem Erhabenen, geboten und verboten ist. Der Prophet (Friede sei mit ihm) teilte mit: “Ihr sollt denjenigen für einen Zauberer, einen Lügner und einen falschen Führer halten, der die Menschen auf den falschen Weg leitet und der sich der islamischen Gesetzgebung zuwider verhält. Auch wenn ihr ihn in der Luft fliegen, auf dem Meer gehen oder in den Mund Feuer nehmen und schlucken sieht.”


Seit dem 19 Jahrhundert n.Chr. und verstärkt ab 20 Jh. sind sehr viele Psydosufis aufgetaucht die die Menschen verführen , missbrauchen und ins Unglück gestürzen. Manche von ihnen kann man leicht erkennen manche aber sehr schwer. Ein im Islam nicht sehr gut ausgebildeter Mensch kann sich täuschen lassen. Da früher in den islamischen Reichen eine Art Auto-Kontrolle gab weil es überall islamische Hochschulen es gab und sehr viele gebildete Muslime konnten die Psydosufis nicht viel Anhänger finden und kaum Unheil anrichten. Heute nutzen sie die Freiheiten aus. Wenn islamische Glaubenslehren, Recht und die die Grundlagenwerke der Sufis sehr gut erlernt und studiert wird dann hat diese Person das Kriterium womit er/sie inschallah echtem von unechtem Sufis trennen kann. Dabei ist es auch ratsam zusätzlich zu Allah zu beten um nicht die heimtückischen Fallen der Psydosufis zu reinzufallen.

In seinem Buch über Theosophie(Sufismus,Sufitum) “Erriyâdü’l-Tasawwufiyya” beschreibt Seyyid Abdülhakim Arwasi die Thesophie(Sufismus) als “sich von menschlichen Eigenschaften befreien, mit engelhaften Eigenschaften schmücken und sich die göttliche Tugend aneignen.” Ebu Muhammed Dscheriri sagt: “Sufismus heißt, sich mit guten Eigenschaften schmücken und alle schlechten Eigenschaften zu verlassen.” Ebu Muhammed Dschariri Ahmed ibni Muhammed ibni Hussejn, gestorben 311 (923 n.Chr.), war einer der größten Schüler von Dschunaid al-Bagdad

Standardwerke des Tasawwufs:

„Das Elixier der Glückseligkeit“ Al Ghazali / Erschienen 1993 / Diederichs, München / Taschenbuch

Schlaglichter über das Sufitum, Abu Nasr al Sarrag ( kitab ul luma), 1990, übers. Richard Gramlich ( Eines der wertvollsten Standardwerke)

Die Gaben der Erkenntnisse des umar as-suhrawardi, 1978,

"Das Sendschriften al-Qusayris ueber das Sufitum " , Imam Qusayri,Überstetzer: Richard Gramlich, Gerhard Boewering

Die Nahrung der Herzen: Abu Talib al-Makkls Qut alqulub. Band 1-3

Muhammad al- Gazzalis Lehre von den Stufen zur Gottesliebe. von Richard Gramlich ,erschienen 1984

Islamische Ethik, Ghazali Themen: islamische Ehe, Handel, Vertrauen auf Allah, Itention Wahrfaftigkeit und reine Absicht.... (Teile des brühmten "ihya" )1979

Die Dogmatik Al-Gahzalis nach dem II.Buch seines Hauptwerkes ( "Ihya") H.Bauer,Halle,1912

Endless Bliss Band 3 Imam Rabbani Ahmed Faruk Sirhindi ,Istanbul 1993,(grosse Teile des „Maktubat“ in englisch in http://www.hizmetbooks.org/

Der Erretter aus dem Irrtum, Gazzali (oder Ghazali), 1988 Hamburg, übers.: Abd-Elsamad Abd-Elhamid Elschazli

Briefe und Reden der Abu Aamid M. Al-Ghazali, Freiburg, 1971,übers.: Krawalsky D.

Der Pfad der Gottesdiener ( Minhac el arifin ), Al Ghazali übers.: Ernst Bannerth,1964,Salzburg
Der reine Gottesglaube, Ahmad Ghazali, 1983, Übersetzer Richard Gramlich, Wiesbaden

Hundertundeine Geschichte aus dem Rosengarten , Scheich Sadi Übertragen von R. Gelpke. Zürich

"Das Meer der Seele" Mensch, Welt und Gott in den Geschichten des Fariduddin 'Attâr. Leiden: Brill, 1955

Frühislamische Mystiker - Aus Fariduddin Attars Heiligenbiographie Castrum Peregrini Presse, 1984 Überlieferungen über islamische Mystiker, ihre Aussprüche und ihr Leben. Sufitum ; Teile von in Englisch : PDF- Muslim Saints and Mystics - by A.J. Arberry (External link)


Dass die Tariqas (wörtlich:"Weg" , Tasawwuf-orden bzw. -schule) verschiedene Namen haben heisst nicht, dass sie unterschiedlich sind. Die Schüler der Walis (echte Sufis) haben um sich benennen zu können und ihren Scheich loben zu können haben sie seinen Namen gegeben.
Die Tariqas sind hauptsächlich zwei : Dhikr-i hafi (leises rezietieren/Erinnern Allahs Namen z.B "Allah" oder die Formel "Laa ilaahe ilallaah". Es ist allgemein bekannt dass Dhikr im Islam erlaubt und verdienstlich ist.Dhikr geschieht mit Herz und Zunge ) und Dhikr-i cehri (lautes Dhikr).
Das Erste geht auf Hazreti Ebu Bekir (Allahs Wohlgefallen auf ihn) (Erster Kalif und ranghöchster Gefährter) wie Tayfuriyye, Yesewiyye, Medariyye, ursprüngliche Bektaschiyye, Ahrariyye, Ahmediyye-i mudscheddidiyye und Halidiyye.
Dikr-i cehri kam über die zwölf (sunnitischen) Imame von Hazreti Ali (Allahs Wohlgefallen auf ihn) (vierter Kalif und einer der grössten Gefährten). Vom Imam Ali Reza (achter Imam) hat dies Ma´ruf Kerhi gelernt und
Über Cuneyd Bagdadi über verschiedene Schüler in verschiedene Äste übergegangen :
Über Imam Ebu Bekir Schibli zu Kadiri und Schazili, Sa´di und Rifa´i - Orden
Über Ebu Ali Robdari über Ahmad Ghazali und Diya-üddin Ebu Nedschib Suhrewerdi zu Kübrewiyye
Über Mimschad Dineweri widerum Ebu Nedschib Suhrewerdi

Über Hazreti Ali über Hasen-i Basri zu Edhemiyye davon Tschitiyye (oder Chistiyye)

Aus Rifaiyye entwickelte sich Bedewiyye.

Von Suhrewerdi über Rüknüddin Muhammed Sedschahi zu Schems-i Tebrizi und Rükneddin Ibrahim-i zahid.
Vom ersteren kam Mewlewiyye zustande .
Vom zweiterem 1. Bayramiyye und davon Dschelwetiyye 2. Halwetiyye ( daraus entwickelte sich Tidschaniyye) und Zeyniyye.

O Allah führe mich auf dem Weg der Weisen!

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