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(Islam ist “Frieden, Reinheit, Hingabe” und “Gehorsam”) "Der Mensch ist Richter über die Worte die er noch nicht ausgesprochen hat und Gefangener seiner Worte nachdem er es ausgesprochen hat." Hazreti Ali 7.Jh & 'Daß du das Band knüpfst zu dem, der es zerreßt; daß du verzeihst dem, der dir Unrecht tut; daß du gibst dem, der dich beraubt."(Der Prophet Muhammed sallallahu 'aleihi wesellem)
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 Rechtsschulen im Islam
Kemal06 Offline

Mitglied

Beiträge: 559

08.06.2008 16:52
Warum man ein Muqallid (Anhänger eines Madhhab ) sein sollte antworten

Bismillahi tealaa

'Abdulhakim Murad übersetzt von Bruder Abdulhafid-Wenzel




Warum man ein Muqallid (Anhänger eines Madhhab ) sein sollte

Natürlich ist es jedem Muqallid empfohlen, so viel wie ihm oder ihr möglich von den formellen Belegtexten seines Madhhab zu lernen. Doch ebenso natürlich ist, daß nicht jeder Muslim ein (Rechts-)Gelehrter sein kann. Das Studium der Rechtswissenschaft ist mit großen Zeitaufwand verbunden und damit die Ummah ordnungsgemäß funktionieren kann, ist es notwendig, daß die Mehrzahl der Menschen einer anderen Beschäftigung wie z.B. Buchhalter, Militär, Metzger etc. nachgehen. Als solchen kann man von ihnen vernünftigerweise nicht erwarten, daß sie allesamt große ´Ulema werden, selbst wenn wir davon ausgingen, daß sie alle über die erforderliche Intelligenz verfügen. Im heiligen Qur'an selbst wird festgelegt, daß weniger gut informierte Gläubige sich an qualifizierte Fachleute wenden sollen:

"So fragt die Leute der Erinnerung, wenn ihr nicht wißt " (16:43).

Den Tafsir-Experten zufolge sind mit "Leute der Erinnerung" die ´Ulema gemeint. Und in einem anderen Vers wird es den Muslimen zur Pflicht gemacht, eine Gruppe von Spezialisten zu schaffen und aufrecht zu erhalten, die für die authorisierte Führung der Nicht-Spezialisten sorgen sollen:

"Warum bricht nicht aus jeder Gemeinde eine Gruppe auf, auf daß sie Wissen in der Religion erlangen und es ihren Leuten verkünden, wenn sie zu ihnen zurückkehren, auf daß sie sich in Acht nehmen "

In Betracht des hohen Grades an Kenntnissen, die zum exakten Verständnis der offenbarten Texte notwendig sind und der eindringlichen Warnungen, die uns vor Verzerrungen der Offenbarung gegeben wurden, ist es offensichtlich, daß einfache Muslime verpflichtet sind, der Meinung von Fachleuten zu folgen statt sich auf ihre eigenen Deutungen und ihr eigenes begrenztes Wissen zu verlassen. Diese offenkundige Verpflichtung war den frühen Muslimen bestens vertraut: Der Khalif ´Umar - möge Allah mit ihm zufrieden sein – folgte bestimmten Regelungen Abu Bakrs – möge Allah mit ihm zufrieden sein - indem er sagte "Ich würde mich vor Allah schämen von der Ansicht Abu Bakrs abzuweichen. " Und Ibn Mas´ud, - möge Allah mit ihm zufrieden sein – obwohl er ein Mujtahid im vollen Sinne des Wortes war, folgte in bestimmten Angelegenheiten ´Umar - möge Allah mit ihm zufrieden sein. Al-Scha´bi berichtet: "Sechs der Prophetengefährten - möge Allah mit ihnen zufrieden sein – pflegten den Leuten Fatwas zu geben: Ibn Mas´ud, ´Umar ibn al-Khattab, ´Ali, Zayd ibn Thabit, ´Ubayy ibn Ka´b und Abu Musa al-Asch´ari. Unter diesen waren drei, die ihr eigenes Urteil zugunsten des Urteils eines anderen aufzugeben pflegten: ´Abdullah ibn Mas´ud gab sein Urteil zugunsten des Urteils von ´Umar auf, Abu Musa gab sein Urteil zugunsten des Urteils ´Alis auf und Zayd gab sein Urteil zugunsten des Urteils ´Ubayy ibn Ka´bs auf - möge Allah mit ihnen allen zufrieden sein.

Diese Aussage, nämlich daß man gut beraten ist, einem der großen Imame als Führer in Sachen der Sunnah zu folgen statt sich auf sich selbst zu verlassen, gilt umsomehr für Muslime in Ländern wie Großbritannien, unter denen nur ein kleiner Prozentsatz für sich das Recht beanspruchen kann, in dieser Angelegenheit eine Wahl zu treffen. Der einfache Grund ist, daß, wenn man nicht Arabisch kann, man nicht in der Lage ist, alle eine bestimmte Angelegenheit betreffenden Hadithe zu lesen, selbst wenn man es möchte. Aus verschiedenen Gründen, darunter ihrem großen Umfang, liegen nicht mehr als zehn der bedeutenden Hadith-Sammlungen in englischer Übersetzung vor. Es bleiben weit über dreihundert andere Sammlungen, unter ihnen solch grundlegende Werke wie das Musnad des Imam Ahmed ibn Hanbal, das Musannaf des Ibn Abi Schayba, das Sahih des Ibn Khuzayma, das Mustadrak des al-Hakim und eine große Zahl anderer vielbändiger Sammlungen, die viele authentische Hadithe enthalten, die nicht in Bukhari, Muslim und den anderen bisher übersetzten Werken zu finden sind.

Selbst wenn wir davon ausgehen, sämtliche vorliegenden Übersetzungen seien vollkommen fehlerfrei, muß uns doch klar werden, daß eine Vorgehensweise, die die Schari´ah direkt aus dem Buch und der Sunnah abzuleiten versucht, nicht von Leuten in die Tat umgesetzt werden kann, die keinen Zugang zum Arabischen besitzen. Der Versuch die Schari´ah ausschließlich auf der Grundlage der übersetzten Hadithe festzulegen, hieße einen großen Teil der Sunnah zu ignorieren und zu amputieren, mit dem Resultat gefährlicher Verfälschungen.

Hier möchte ich dafür nur zwei Beispiele nennen. Die sunnitischen Madhhabs legen in ihren Regeln zur Durchführung von Gerichtsverfahren das Prinzip fest, daß die kanonischen Strafen (Hudud) in Fällen, in denen die geringste Unklarheit besteht, nicht angewendet werden sollen, und daß der Qadi sich aktiv darum bemühen soll, nachzuweisen, daß solche Unklarheiten bestehen. Ein Amateur wird beim Studium der "Authentischen Sechs" Überlieferungen keine Bestätigung dafür finden. Und doch stützt sich diese Madhhab -Regel auf ein Hadith mit zuverlässiger Überliefererkette, festgehalten im Musannaf des Ibn Abi Schayba, dem Musnad des al-Harithi und dem Musnad des Musaddad ibn Musarhad. Der Text lautet: "Wendet die Hudud ab mit Hilfe von Unklarheiten ". Imam al-Sana´ani gibt in seinem Buch Al-Ansab die Umstände der Überlieferung dieses Hadith wieder: " Ein Mann wurde betrunken aufgegriffen und vor ´Umar gebracht, der anordnete, daß die Hadd von achzig Schlägen an ihm vollzogen werde. Nachdem dies geschehen war, sagte der Mann: "´Umar, du hast mir unrecht getan! Ich bin ein Sklave!" (Sklaven erhalten nur die Hälfte der Strafe.) ´Umar war daraufhin verzweifelt vor Schuldgefühl und rezitierte das Hadith des Propheten – Allahs Segen und Friede sei über ihm –: "Wendet die Hudud ab mit Hilfe von Unklarheiten" "

Ein weiteres Beispiel bezieht sich auf die wichtige, von den Madhhabs anerkannte Praxis, das Sunnah-Gebet so schnell wie möglich nach dem Maghrib-Pflichtgebet zu verrichten. Das Hadith lautet: "Beeilt euch, die zwei Rak´at nach dem Maghrib zu verrichten, denn sie werden gemeinsam mit dem Pflichtgebet (zum Himmel) emporgetragen! " Das Hadith wird von Imam Razin in seinem Jami´ überliefert.

Wegen ihrer traditionellen, tiefer Frömmigkeit entspringenden Furcht vor einer Verfälschung des göttlichen Gesetzes hat die überwältigende Mehrheit der großen Gelehrten der Vergangenheit - sicherlich weit über neunundneunzig Prozent – loyal an einem Madhhab festgehalten. Es ist wahr, daß im von Wirren geplagten vierzehnten Jahrhundert eine Handvoll von Abweichlern auftauchte, wie Ibn Taymiyya und Ibn al-Qayyim; doch selbst diese Personen empfahlen niemals, daß halb-gebildete Muslime versuchen sollten, Ijtihad zu unternehmen Selbst wenn diese Autoren in letzter Zeit "wiedererweckt" und zu Berühmtheiten gemacht worden sind, ist ihr Einfluß auf das traditionelle Gelehrtentum des klassischen Islam zu vernachlässigen, wie schon die geringe Anzahl von Manuskripten ihrer Werke in den großen Bibliotheken der islamischen Welt verrät.

O Allah führe mich auf dem Weg der Weisen!

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