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(Islam ist “Frieden, Reinheit, Hingabe” und “Gehorsam”) "Der Mensch ist Richter über die Worte die er noch nicht ausgesprochen hat und Gefangener seiner Worte nachdem er es ausgesprochen hat." Hazreti Ali 7.Jh & 'Daß du das Band knüpfst zu dem, der es zerreßt; daß du verzeihst dem, der dir Unrecht tut; daß du gibst dem, der dich beraubt."(Der Prophet Muhammed sallallahu 'aleihi wesellem)
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 Rechtsschulen im Islam
Kemal06 Offline

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Beiträge: 559

08.06.2008 16:47
Prinzip des Naskhs antworten

Bismillahi tealaa

Von 'Abdulhakim Murad übersetzt von Bruder Abdulhafid-Wenzel


Das Prinzip der Abrogation(Naskh )

Das Prinzip des Naskh ist ein Beispiel dafür, wie die Sunni-´Ulema bei der Behandlung des heiklen Themas Ta'arrud al-adilla ihren Ansatz auf eine Art von Umgang mit Textaussagen gründeten, die schon viele Male zu Lebzeiten des Propheten – Allah segne ihn und schenke ihm Frieden – Anwendung gefunden hatte. Die Gefährten wußten durch ´Ijma, daß während der Jahre in denen der Prophet seine Botschaft überbrachte, in denen er sie lehrte und schulte und sie von der Wildheit des Heidentums zum nüchternen und barmherzigen Weg des Monotheismus führte, diese Lehre Gegenstand göttlicher Formung entsprechend ihrem Entwicklungstempo gewesen war. Der wohl bekannteste Fall davon war das stufenweise Verbot des Weines, dessen Genuß in einem frühen Qur'anvers als unbeliebt, in einem späteren als verwerflich und schließlich als verboten bezeichnet wurde. Ein anderes, ein noch grundlegenderes Prinzip berührendes Beispiel ist das des rituellen Gebetes (Salaat), welches für die frühe Ummah nur zweimal täglich Pflicht gewesen war, nach der Mi'raj jedoch fünfmal täglich zur Pflicht wurde. Mut'a (Heirat auf Zeit) war in den frühenTagen des Islam erlaubt gewesen, wurde aber schließlich verboten, nachdem die sozialen Bedingungen sich entwickelt, der Respekt für Frauen zugenommen und die Moral sich gefestigt hatten. Es gibt ein ganze Reihe solcher Fälle, die meisten lassen sich auf die Jahre unmittelbar nach der Hijra datieren, in denen sich die Situation der jungen Ummah radikal wandelte.


Es existeren zwei Formen von Naskh : explicit (sarih ) oder implicit (dimni ). Die erste ist leicht zu erkennen, weil sie Texte betrifft, die selbst zum Ausdruck bringen, daß eine frühere Regelung geänder wird. Zum Beispiel gibt es im Qur'an einen Vers (2:142) der den Muslimen befiehlt sich beim Gebet der Ka´aba zuzuwenden statt nach Jerusalem. In der Hadithliteratur findet man diesen Fall noch viel häufiger. Zum Beispiel lesen wir in einem von Imam Muslim überlieferten Hadith: "Ich hatte euch verboten , Gräber zu besuchen; doch nun sollt ihr sie besuchen." Als Kommentar hierzu erklären die ´Ulema der Hadith, daß in der Frühzeit des Islam, als die Praktiken der Götzenanbetung noch frisch im Gedächtnis der Menschen waren, das Besuchen von Gräbern verboten worden war, in der Befürchtung, daß einige neue Muslime dort Schirk begehen könnten. Nachdem aber die Muslime in ihrem Verständnis von Tauhid gestärkt und dieser in ihrem Bewußtsein und ihren Herzen fest verwurzelt war, wurde dieses Verbot als nicht länger notwendig aufgegeben, so daß es heute empfohlene Praxis für die Muslime ist, Gräber zu besuchen um für die Verstorbenen zu beten und ans Jenseits erinnert zu werden.


Die andere Form des Naskh ist subtiler und forderte den Scharfsinn der frühen ´Ulema oft bis an ihre Grenzen heraus. Dabei handelt es sich um Texte, die frühere aufheben oder modifizieren, ohne im Text selbst darzulegen, daß dies der Fall ist. Die ´Ulema haben dafür eine Vielzahl von Beispielen gegeben, einschließlich der zwei Verse in Surat al-Baqara die unterschiedliche Anweisungen bezüglich der Zeitspanne angeben, während derer Witwen (nach dem Tode ihres Mannes) aus dem Nachlaß unterhaltsberechtigt sind (2:240 und 234).


Und in der Hadithliteratur gibt es das Fallbeispiel in dem der Prophet - Allahs Segen und Friede sei über ihm - als er von Krankheit gezwungen im Sitzen betete, die Gefährten aufforderte, ebenfalls im Sitzen hinter ihm zu beten. Dieses Hadith wird von Imam Muslim überliefert. Und doch finden wir ein anderes Hadith, ebenfalls bei Imam Muslim, welches einen Fall belegt, in dem die Gefährten stehend hinter dem Propheten – der Segen Allahs und Sein Friede seien auf ihm – beteten, währen dieser das Gebet sitzend verrichtete. Der offenbare Widerspruch wurde durch eine sorgfältige Analyse der Chronologie gelöst, welche zeigte, daß der zuletzt genannte Fall nach dem erstgenannten stattfand und deshalb darüber Vorrang genießt. Solches wird im Fiqh der großen Gelehrten in passender Weise gewürdigt.


Die Techniken zur Identifizierung von Naskh haben die ´Ulema in die Lage versetzt, den größten Teil der erkannten Fälle von ta'arrud al-adilla zu lösen. Sie verlangen nicht nur umfassende und detaillierte Kenntnisse der verschiedenen Hadith-Wissenschaften sondern ebenso viel Wissen in den Bereichen Geschichte, Sirah , bezüglich der von den Gefährten und anderen Gelehrten vertretenen Ansichten und der Umstände bei der Entstehung und Exegese der betreffenden Hadithe. In manchen Fällen sahen sich Hadith-Gelehrte veranlaßt, von einem Ende der islamischen Welt zum anderen zu reisen, um in den Besitz der notwendigen Informationen ein einziges Hadith betreffend zu gelangen.


In Fällen, in denen trotz all dieser Bemühungen eine Abrogation nicht nachzuweisen ist, sahen die ´Ulema der Salaf weitere Untersuchungen als nötig an. Von Bedeutung ist dabei besonders die Analyse des Matn (der überlieferte Text im Gegensatz zur Isnad des Hadith). "Klare" (Sarih ) Feststellungen genießen Vorrang gegenüber "indirekten" (kinaya ) und "definitive" (muhkam ) Aussagen wird der Vorrang vor zweifelhafteren Kategorien wie "interpretiert" (mufassar ), "obskur" (khafi ) und "problematisch" (muschkil) gegeben. Es kann sich auch als notwendig erweisen, die Position der Überlieferer von einander widersprechenden Hadithen genauer zu betrachten, um dem Bericht desjenigen den Vorzug zu geben, der direkter beteiligt war.

Ein berühmtes Beispiel dafür ist das Hadith, überliefert von Maymuna – möge Allah mit ihr zufrieden sein – das besagt, daß der Prophet – Allahs Segen und Friede sei über ihm – sich nicht im Weihezustand (Ihram ) für die Pilgerfahrt befand als er sie heiratete. Weil ihr Bericht der einer Augenzeugin war, wurde ihrem Hadith Vorrang vor dem dazu im Widerspruch stehenden des Ibn ´Abbas – möge Allah mit ihm zufrieden sein - gegeben, welches mit einer ähnlich zuverlässigen Isnad besagt, der Prophet – der Segen Allahs und Sein Friede sei auf ihm – sei zu jenem Zeitpunkt tatsächlich im Zustand des Ihram gewesen.

Es gibt noch eine Vielzahl weiterer Regeln, wie beispielsweise die Aussage :"Verbot geht vor Erlaubnis ". Ebenso können Widersprüche zwischen Hadithen gelöst werden, indem man auf die Fatwa eines der Gefährten – möge Allah mit ihnen zufrieden sein – zurückgreift, nachdem man sich vergewissert hat, daß alle relevanten Fatwas verglichen und berücksichtigt wurden. Schließlich mag man Qiyas (Analogie) anwenden. Ein Beispiel dafür sind die vielfältigen Berichte über das Gebet bei Sonnenfinsternis (Salât ul-khusuf ), die verschiedene Anzahl von Beugungen und Niederwerfungen spezifizieren. Nach genauester Untersuchung der Berichte haben die ´Ulema , nachdem alle oben erwähnten Mechanismen keine Lösung der Widersprüche gebracht hatten, den Analogieschluß angewandt, indem sie schlossen, daß, da das fragliche Gebet immer noch als Salât bezeichnet wird, die übliche Form von Salât eingehalten werden solle, nämlich eine Beugung und zwei Niederwerfungen. Die übrigen Hadithe sollen nicht mehr in Betracht gezogen werden.

O Allah führe mich auf dem Weg der Weisen!

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