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(Islam ist “Frieden, Reinheit, Hingabe” und “Gehorsam”) "Der Mensch ist Richter über die Worte die er noch nicht ausgesprochen hat und Gefangener seiner Worte nachdem er es ausgesprochen hat." Hazreti Ali 7.Jh & 'Daß du das Band knüpfst zu dem, der es zerreßt; daß du verzeihst dem, der dir Unrecht tut; daß du gibst dem, der dich beraubt."(Der Prophet Muhammed sallallahu 'aleihi wesellem)
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Dieses Thema hat 3 Antworten
und wurde 710 mal aufgerufen
 Tasawwuf
Kemal06 Offline

Mitglied

Beiträge: 559

01.05.2007 14:33
Warum sterben und hinter die Fassade gucken ?! antworten

Tod ist was schönes.....Das ist die Nachricht hinter der Wand. Wenn es nicht schön wäre, würde dann der Prophet sterben?
( Necip Fazil KISAKÜREK )



Ein man der am sterben liegt will Schahada machen.
Aber er hat sein leben mit "Alkohol, Frau und Dünya (Welt)" verbracht.
Mit Hoffung versucht er schahada zu machen aber die ganze Zeit kommen nur diese Worte aus seinem Mund raus:
"Trinke Alkohol, liebe die Frauen, lebe dein Leben"
Er konnte die Schahada nicht aussprechen.
Wir müssen im klaren sein: "Wie der Mensch lebt so wird er auch sterben"!!!


Dünya oder Ahiret

Ich ging zu einem Freund von Allah . Die Familie hatte sich um ihn versammelt.
Der Man hatte ein kränkliches Ausdruck. Jeder heulte.
Er drehte sich zu erst zu den Vater um: " Oh Vater! Was bringt dich zum heulen?"
Der Vater: "Mein Junge, das ich dich verlieren werde und weil ich deine Sorgen sehe."
Diesmal fragte der Mann seine Mutter: "Mama, oh meine Barmherzige Mutter! Was bringt dich so zum heulen?"
Die Mutter: "Mein Junge! Ich heule, weil ich die Trennung von dir nicht aushalten werde. Ich werde ohne dich, mich alleine fühlen."
Der Mann guckte dann seine Kinder an und sagte:" Oh meine Kinder, die gleich Weisenkinder sein werden! Was bringt euch denn zum heulen?"
Die Kinder: "Wir heulen wegen der Trennung von dir. Nachdem du weg gehen wirst werden wir Weisenkinder sein, oh Vater!"
Der Mann guckt sich die Gegend an und sagt nun folgendes:" Richtet mich auf !"
Allahs Freund wollte bevor er stirbt der Familie das ausrichten:
"Ihr alle weint für eure eigene Welt! Ist keiner zwischen euch, der für mein Ahirett weint?
Heult keiner deswegen, was mit mir in der Erde passieren wird?
Heult keiner deswegen, was ich den Engeln Münker und Nekir zu Antwort geben werde?
Hat sich jemand die Gedanken gemacht, wie ich vor Allah stehen werde?
( Die Velih´s V - 436)


( Qulle: Buch: Insan nasil ölür? Ölüm Yolculugu - 1 von Said Alpsoy )

O Allah führe mich auf dem Weg der Weisen!

Kemal06 Offline

Mitglied

Beiträge: 559

01.05.2007 14:34
#2 RE: Warum sterben und hinter die Fassade gucken ?! antworten
Sterben und Tod im Islam



Manuskript zu einem Vortrag von Muhammad Abu Bakr Müller, im röm.kath.Bildungshaus Maria Trost / Graz; am Dienstag den 17.Shawwal 1420 / (25.Jänner 2000) (Verkürzte Wiedergabe von mir, da es sehr lang ist)

Ergänzungs- und Verbesserungsbedürftig.


Im Namen Allahs, des Barmherzigen, des Allergnädigsten.


"Jede Seele wird den Tod kosten" und doch leben fast alle, als hätte das keine Realität."


Das Sterben und der Tod selbst sind nur ein kleiner, wenn auch oft schmerzlicher Abschnitt eines größeren Ablaufes, gegen den niemand etwas auszurichten vermag. Hätten Menschen die Wahl, so würden viele auf den Tod verzichten und ewig leben wollen. Der Tod ist eine Erinnerung an unseren Schöpfer, an den Sinn unserer Existenz in diesem Leben und jenem danach. Das Leben ist ein Gang durch einen Raum und der Tod ist die Tür. An dem Vorhandensein der Tür zweifelt niemand, jedoch hängen am Glauben an den nächsten Raum große Entscheidungen und das Unglück oder das Glück der seelischen Existenz des Menschen.


Wenn ein Muslim stirbt so wird nur selten lange getrauert, denn das widerspricht dem Glauben. Mittels Gebeten und Qur'aanrezitation wird versucht, den Aufenthalt im Grab zu mildern. In einem tieferen mystischen Sinn ist der Tod für den Muslim ein Freudenfest, eine Rückkunft zu seinem ersehnten Geliebten, doch ist diese Haltung bei Lebzeiten früh genug zu lernen. [...]
Der große Mystiker Abd Al Qadir Gilani (1077-1166) aus Baghdad predigte folgende Worte des Propheten Muhammad (der Friede und Segen Allahs sei auf ihm): Er, an dem Allah Wohlgefallen haben und dem Er Zufriedenheit gewähren möge, sagte: "Eines Tages wurde mir beklemmt zumute, und da regte sich die Seele unter ihrer Last, und sie forderte Erleichterung, einen Weg hinaus und ein Ende (dieser Lage). Da sagte man zu mir: "Was ist es, das du willst?" Ich sagte: "Ich will einen Tod, in dem kein Leben ist, und ein Leben, in dem kein Tod ist". Man sagte zu mir: "Was ist der Tod in dem kein Leben ist, und das Leben, in dem kein Tod ist?" Ich sagte: " Der Tod in dem kein Leben ist, ist mein Absterben von meiner Seele, meiner Leidenschaft, meinem Wollen und meinem Wünschen im Diesseits und im Jenseits, so dass ich in all diesem nicht lebe und nicht darin gefunden werde. Was nun das Leben betrifft, in dem kein Tod ist, so ist das mein Leben in Übereinstimmung mit meinem Herrn, dem Mächtigen, Erhabenen ohne mein Sein in Ihm, und der Tod darin ist mein Sein mit Ihm. Und es ist dieser Wille der kostbarste Wille, den ich gehabt habe, seit ich Verstand habe."
Der Islam lehrt, daß Allah der Herr über Leben und Tod ist; niemand kann in Seine Pläne eingreifen; keine Operation kann den Todeszeitpunkt auch nur um eine Sekunde verzögern, es sei denn, die Operation ist eine von Allah bestimmter Lebensabschnitt. Vielleicht ist die Operation eine Strafe oder eine Gnade. Allahs Pläne sind nicht durchschaubar. Allah gibt Leben, und läßt sterben, und wenn die vorgeschriebene Frist abgelaufen ist, kehren alle zu Ihm zurück und werden zur Rechenschaft gezogen.


Wer seiner Taten Endziel auf diese Welt richtet, dessen Entlohnung erfolgt auch nur in dieser Welt. [...]
Der Tod ist ein Ereignis, bei dem die Seele vom Körper getrennt wird. Niemand weiß, wann und wo und wie er sterben wird. Diese göttliche Gewalt über Leben und Sterben gehört zur uneingeschränkten Souveränität Allahs über seine Schöpfung. Naturgemäß hängt der Mensch gleichzeitig am Leben und sträubt sich gegen den Tod. Allah sagt im Qur'aan:


"Sprich: Mein Gebet und mein Opfer, mein Leben und mein Tod gehören Allah, dem Herrn der Welten" (vgl. Qur'aan, 6:162).


Der berühmte muslimische Theologe Ghazali (gest. 12 Jh. n.Chr.) schreibt darüber: " Der erste Geliebte jedes lebendigen Wesens ist es selbst und das eigene Ich. Diese Liebe zu sich selbst bedeutet, dass in der Natur jedes lebenden Wesens eine Neigung zur Erhaltung des eigenen Daseins und ein Widerwille gegen seine Aufhebung und Vernichtung liegt. Denn von Natur geliebt wird das, was dem Liebenden genehm ist. Was aber wäre ihm genehmer als das eigene Ich und die Fortdauer des Daseins, und was wäre ihm mehr zuwider und entgegen als dessen Aufhebung und Vernichtung. Der Mensch liebt die Erhaltung seines Daseins und scheut das Sterben. Und dies nicht bloß aus Furcht vor dem, was nach dem Tode kommt, und nicht nur aus Grauen vor dem Todeskampf, sondern selbst wenn er hinweggenommen würde ohne Schmerz und er den Tod erlitte ohne Lohn und Strafe im Jenseits, würde er doch nicht gerne sterben, sondern einen Widerwillen dagegen haben. Er liebt den Tod und das reine Nichtdasein nur, wenn er im Leben einen allzu harten Schmerz ertragen muss, denn wer von einem Leiden betroffen wird, der liebt das Aufhören des Leidens. Und wenn er dann auch das Nichtdasein liebt, so liebt er es doch nicht um seiner selbst willen, sondern weil es das Aufhören des Leidens bedeutet. Denn die Vernichtung und das Nichtdasein wird gehasst und die Erhaltung des Daseins geliebt " (Al Ghazali, 1993, S. 183).
Die "Lebenszeit" des Menschen wird mit einer, nur Allah bekannten, Anzahl von Absichten und Handlungen gefüllt, durch die der Mensch seinen zukünftigen Status nach dem Tod selbst gestaltet. Der Raum des freien Willens ist von Allah geschaffen. Allah konfrontiert den Menschen mit unterschiedlichsten Erlebnissen und die Engel notieren jede geringste Handlung. (Datenspeicher) Eine große Anzahl der Propheten in allen Ländern, von Adam, über Ibrahim, Moses, Jesus, bis zum letzten, Muhammad (der Friede und Segen Allahs sei mit ihnen allen) erhielten während ihrer Lebenszeit Offenbarungen von Allah, um die Menschen das immer wieder vergessene Wissen neu zu lehren.


Über das Sterben, bzw. den Tod sagte Muhammad (Friede sei mit ihm): "Denkt oft an den Tod, der die weltlichen Genüsse unbedeutend macht." Oder: "Der Tod ist für den Gläubigen ein Geschenk." Einer fragte den Propheten (Friede sei mit ihm) wer der klügste unter den Menschen sei. Er sagte: "Es sind diejenigen, die oft an den Tod denken und sich am meisten darauf vorbereiten. Diese Personen tragen die Würde der Welt und die Überlegenheit im Jenseits mit sich."
Der Tod von Muhammad (Friede sei mit ihm).


Muhammad (Friede sei mit ihm) war in den Armen seiner Frau Aisha, als er im Sterben lag. Der Todesengel kam in diesem Moment. Der Gesandte Gottes erzählte seiner Frau, was der Todesengel Azrail zu ihm gesagt hatte: "Der Erhabene Gott hat mich zu dir geschickt, aber mir befohlen nicht ohne deine Erlaubnis einzutreten. Wenn du mir nicht erlaubst werde ich nicht eintreten und komme erst rein, wenn du es mir erlaubst. Allah hat mir gesagt, daß ich ohne deine Erlaubnis nicht dein Leben nehmen soll. Was befiehlst du mir jetzt?" Ich sagte ihm, dass er nicht kommen solle bevor nicht der Engel Jibraiil gekommen sei." Aisha erzählte weiter:" Wir befanden uns in einer Situation so, dass wir weder antworten noch unsere Ansicht sagen konnten. Unsere Zunge war gelähmt. In dieser ernsten Situation waren wir nicht in der Lage zu reden. Jibraiil kam zeitig. Ich bemerkte seinen Schatten. Nachdem die Hausbewohner hinausgegangen waren, kam er herein und sagte: "Der Erhabene Allah läßt dich grüßen und fragt, wie du dich fühlst. Obwohl das Wissen um Deinen Zustand bei Ihm ist. Der Gesandte sagte: " Ich fühle Schmerzen." und sagte weiter, dass Jibraiil dem Todesengel Bescheid sagen solle. Jibraiil sagte: "O Muhammad, Dein Herr erwartet dich mit großer Sehnsucht. Hat er dir nicht gesagt, warum er gekommen ist? Ich schwöre bei Allah. Der Todesengel hat bis jetzt niemanden um Erlaubnis gefragt und er wird auch nie wieder fragen. Aber dein Herr möchte deinen Ruhm vervollkommnen. Somit erwartet Er dich mit großer Sehnsucht." Daraufhin sagte der Prophet, er möge so lange warten bis der Todesengel eintreffe und erlaubte den Frauen wieder einzutreten. Währenddessen rief er seine Tochter Fatimah zu sich und flüsterte ihr etwas ins Ohr, worauf sie weinte und nichts sagen konnte. Dann bat er sie von neuem, sich zu ihm zu neigen. Er flüsterte ihr wieder etwas ins Ohr, worauf sie lächelte. Aber sie konnte wieder nicht reden. Dieser Anblick war für die anderen sehr seltsam. Fatimah wurde später nach dem Grund ihres Verhaltens gefragt. Sie sagte:

" Er sagte mir zuerst, dass er sterben werde. Deshalb weinte ich. Dann sagte er, dass er zu Allah gebetet habe, dass aus seiner Familie zuerst ich ihm folgen möge. Dann lächelte ich." Fatimah brachte ihre zwei Söhne in seine Nähe, worauf er an ihnen roch. Dann kam der Todesengel, begrüßte Muhammad und bat um Erlaubnis. Er fragte nach seinem Befehl. Muhammad sagte zu ihm: "Bringe mich sofort zu meinem Herrn." Dann trat Jibraiil wieder ein, begrüßte ihn und sagte, dass es das letzte mal sei, dass er auf die Erde kommen werde. Niemand konnte etwas sagen. Ich hielt ihn an seiner Brust. Er wurde bewusstlos. Seine Stirn war voller Schweißtropfen. Ich wischte ihm den Schweiß von seiner Stirn. Es gab nichts schöneres als den Geruch seines Schweißes. Er kam wieder zu sich und wurde wieder bewusstlos. Er sagte immer wieder "Zum Erhabenen Freund. Zum Erhabenen Freund". Er starb an einem Montag Vormittag in den Armen seiner Frau (ebd., 1993, S.587) .

[...]
Nun kommen wir zurück zum Anfang, an dem die Frage stand: "Was ist der Tod in dem kein Leben ist, und das Leben, in dem kein Tod ist?" Das ist nun die tiefere Bedeutung der bildhaft geschilderten Oberfläche. Die mystische Dimension des Todes, das Sterben bereits im Leben und nicht erst bei Eintritt des Todes. Der Mystiker oder Sufi versucht die übertriebene Zuneigung zur Welt von sich zu nehmen und von dieser Welt "abzusterben" bevor der Todesengel zu ihm kommt. Er sucht nicht vorrangig das Paradies zu erlangen oder die Hölle zu vermeiden, er sucht Allahs Nähe, und jede Situation die sich ihm aufdrängt ist das Medium für die große Anstrengung: Jihaad, der Kampf gegen das niedrige Selbst. Wenn der Todesengel zum vollkommen in der Liebe zu Allah Aufgegangenen kommt, so ist es wie der Mystiker Rumi schreibt: " Ich war Zuckerrohr, jetzt werde ich zu Zucker". (Übersetzung: AnnemarieSchimmel) [...]
Muhammad Abu Bakr Müller

O Allah führe mich auf dem Weg der Weisen!

Kemal06 Offline

Mitglied

Beiträge: 559

01.05.2007 14:35
#3 RE: Warum sterben und hinter die Fassade gucken ?! antworten
Hintergrund: Baqi Allah - Ewig ist Allah
Gedanken über den Tod und Trauertraditionen in muslimischen Ländern - Von Sami Alphan, Köln

aus "islamische Zeitung"

(iz)Gestern war sie noch da und quicklebendig, heute nicht mehr. Vor einigen Tagen noch telefoniert, jetzt ist die Stimme für immer verstummt. Vor einigen Monaten noch besucht, zusammen gelacht, alter Zeiten gedacht und Pläne für den nächsten Sommer gemacht, jetzt ist sie auch für immer ein Teil nur mehr der alten Zeit und kann nicht mehr gegenwärtig wahrgenommen werden. Es ist nicht so, wie wenn man über andere betreffende Fälle erzählt, über sie hinweg herum philosophiert, sich nebenbei Gedanken macht. Der Todesengel, der seine Pflichten immer in der Nähe der anderen Menschen zu erledigen schien, bewegte sich diesmal in so einer Nähe, dass man trotz der weiten Entfernung Türkei – Deutschland alles fühlen kann. Die manchmal üblichen Fragen „warum sie“, „wieso“, „weshalb“, durch welche man sich leicht am Rande islamisch nicht mehr vertretbarer Geisteshaltung und Schicksalskritik befinden könnte, spare ich mir. Das ist der Tod und ihre Stunde sollte schlagen - so war es in Urewigkeit entschieden. Knoten im Hals, Sura Ya-Sin in der Hand, mit dem nächsten Flieger Richtung Türkei, sodass man zumindest am Totengebet und Begräbnis, die letzte Verpflichtung aus der jahrelangen Verwandtschaft, Kinder- und Jugendzeit, teilnehmen und darüber hinaus die letzte Begegnung auf dieser Welt nicht verpassen kann.

In der Moschee angekommen, liegt die vorläufige Behausung, der Sarg, schon mit der neuen, kurzzeitigen Besitzerin auf der Steinbahre für die Verstorbenen während der Zeit des Totengebets auf dem Hof der Moschee. Wie viele ihn schon sein/ihr nennen durften für so eine kurze Zeit, Allah weiß es. Wie lange bleibt man auf der Welt? Hat dieser Sarg keine Ähnlichkeit mit der Welt? Wäre es nicht Unsinn, die ganze Zeit sich um diesen Sarg zu kümmern, an ihm zu dienen? Ist der einzige vertretbare Grund für die Mühe auf der Welt nicht der Dienst am Menschen und somit an Allah, wodurch man dem göttlichen Gebot „damit ihr mir dienlich werdet“ gerecht kommt?

Wie der türkische Sufi-Dichter Yunus Emre schon sagte:

Besitztum ist vergänglich, auch das Hab und Gut Auch du vertreib damit Zeit, wie jeder es tut

Umhüllt ist der Sarg mit einer grünen, mit Qur’anversen aus Stickerei-Arbeit beschmückten Decke und mit einem Kopftuch am Kopfteil, als Zeichen des weiblichen Geschlechts. Als ob der Sarg als ein kleines Symbol in die Welt schreien wollte: „Ihm gehört, was auf der Erde und in den Himmeln ist“ und wir auf der Erde sollten uns nicht so verhalten wie in ihm, dem Sarg, den man nur von der Moschee bis zum Friedhof behaust? Nein, kein Weltverzicht, aber ein bewusst erlebtes Erhabensein über die Welt und das Weltliche.

Seit zwei Jahrzehnten nicht mehr getroffene Bekannte aus der entfernten südosttürkischen Stadt Urfa, der Geburtsstadt des Gesandten Abraham, versuchen auf dem Hof dieser 400 Jahre alten Istanbuler Moschee Trost zu spenden. „Baqi Allah“ - „Ewig ist Allah“ erinnern sie, indem sie ihr Beileid aussprechen. Baqi Allah. Wie oft vergisst man das im Laufe des Lebens bis auf solchen, kurzen Einschnitten. Für eine Weile erinnert man sich an den Tod, aber dann wenn wieder „auf sicherem Boden“ steht, schafft der Mensch so gerne seinem Namen „Insan“ alle Ehre und vergisst es. Wie oft vergegenwärtigt der Qur’an den Tod, wie oft hat der ehrwürdige Gesandte, Allahs Segen und Heil auf ihm, den Muslimen empfohlen, des Todes zu gedenken. Wie Schaikh Schadhili in seiner Litanei „Hizb ul-Bahr“ so schön formuliert hat: „Ein gütiger Herr (Rabb) ist mein Herr (Rabb)“, Der im Qur’an auf die Vergesslichkeit seines Geschöpfs hinweist und bereit und willig ist und sogar sich freut, ihm auch diesbezüglich verzeihen zu können.

Ist es nicht eine Impfung oder Therapie, dieser aus dem glückseligen Munde des Gesandten, Allahs Segen und Heil auf ihm, empfohlene imaginäre Tod in der Vorstellung? Eine Art Training, bevor es ganz zu spät und eine Rückkehr nicht mehr möglich ist, also so tun, als ob. Die imaginäre Vorstellung des eigenen Todes, genannt „Rabitatu’l-maut“, realisiert zwar das Gefühl des Todes nicht so intensiv, aber durch die weitere Empfehlung, die Gräber zu besuchen, ermöglicht es dem Muslim, ohne die Erfahrung selbst zu machen so nah wie möglich an den Tod zu kommen. Der eigene Tod wäre gewiss emotional spürbarer, aber nicht konsequent für das eigene Leben, da man aus ihm keine für das Leben relevanten Lehren mehr ziehen könnte Nach dem Totengebet fragt der Imam die Anwesenden danach, ob sie der Verstorbenen alle - falls irgendwie entstandenen - Unannehmlichkeiten von ihr verzeihen, so dass sie im Jenseits diesbezüglich nicht zur Rechenschaft gezogen werden kann. Alle bejahen die Frage. Der Imam erinnert uns an das eigentlich nicht zu Vergessende,

den türkischen Dichter Necip Fazil Kisakürek zitierend:

„Schön ist der Tod, die Botschaft aus des Schleiers Rückseite Wäre er nicht schön, würde sterben jemals der Gesandte?“

Wer kann/konnte sich denn eigentlich leisten, nicht zu sterben? Werden etwa nicht „alle Seelen den Tod kosten“? Die Seelen werden den Tod durch die Leiber kosten beziehungsweise erfahren, welche sterben werden. Die Seelen werden aber nicht sterben und ihn daher nur kosten. Tagtäglich, seit Beginn der Zeit, schmecken die Seelen es und die Leiber erfahren ihn; dann „werden wir aufgeweckt und Rechenschaft über unsere Taten ablegen“. Damit wir dies auch nicht vergessen, führt Allah uns dies jedes Jahr vor Augen; in jedem Herbst stirbt sozusagen die Flora sichtlich, und in jedem Frühling erweckt Er sie wieder; jedes Jahr werden unzählige Namen (Asmâ’) Allahs in der Natur sichtbar. „Gibt es denn niemand, der sich ermahnen lässt?“ fragt der Qur’an wiederholend. Stimmt, samt der Erde: „Alles auf ihr ist vergänglich“ und wird sterben. Durch das enge Tor des menschlichen Körpers wird die Seele hinaus gerissen werden. Wer verlässt denn gerne eine jahrelang bewohnte Behausung?

Nach der Rede des Imams nehmen anschließend die Anwesenden eilend den Sarg auf die Schultern und tragen ihn zum Leichenwagen. Jeder versucht, irgendwie mit anzupacken, was durch das Gedränge auf dem Hof nicht jedem gelingt. Nach einer kurzen Fahrt durch den Istanbuler Verkehr erreicht man das frisch ausgehobene Grab.

Etwa 1,50 Meter tief, feucht, kalt und beim ersten Hineinschauen ein unheimlicher Platz. Für den oder die wird er entsprechend der Lebensführung „entweder zu einem Garten des Paradieses oder zu einer Grube der Höhle“ werden. Wie es so schön in der arabischen Redewendung heißt: „Die Ehre eines Platzes entsteht durch den sich dort Befindenden.“

Bei diesem Furcht erregenden Anblick des Grabes kommen nur Bittgebete in den Sinn: „O Allah, erleuchte diesen Platz durch Dein Licht, verwandele ihn zu einem Garten aus den Paradiesgärten, verzeih ihr ihre Fehltritte“, wobei man Hilfe beim Gesandten für die Erhörung der Bittgebete sucht. Zwei Verwandten, in diesem Falle Bruder und Neffe, holen die Verstorbene aus dem Sarg heraus und platzieren sie im Grab mit dem Gesicht nach rechts Richtung Mekka. Holzbalken werden geholt und schräg über ihr aufgestellt, sodass sie vorab nicht direkt mit Erde bedeckt wird. Nach einigen Monaten wird das Holz durch die Feuchtigkeit die Last der Erde nicht mehr tragen können, das Grab in sich stürzen und somit eingeebnet. Der Imam rezitiert Suren aus dem Qur’an sozusagen begleitend ins Jenseits. Man beeilt sich, und in Kürze ist das Grab mit Erde bedeckt. Ein provisorisch fertig gestelltes Holzstück, das an der Kopfseite in die Erde hineingesteckt wird, gibt die Nummer des Platzes an. Mit Kugelschreibern versucht man, den Namen auf das Holz einzukratzen, bis der Grabstein ausgefertigt wird.

Die ganze Arbeit ist reine Männersache, welche nicht gerne ihre Tränen preisgeben, solange sie sich dort beschäftigen und nicht alleine sind. Nach dem durch die Anwesenden erneut das Beileid und die Worte „Baqi Allah“ ausgesprochen worden sind, werden dort so manche Tränen mit der Verstorbenen zurückgelassen. Tränen? Wieso weint man eigentlich hinter einer Verstorbenen, von der man weiß, dass sie ein Allah gefälliges Leben geführt hat und wo doch „die Barmherzigkeit Allahs alles umfasst“? Wegen der hinterbliebenen Kleinkinder? O Allah, nimm sie in Deinen Schutz so wie Du einst Deinem schutzlosen Gesandten „als Waise Geborgenheit gewährt hast.“ Wieso weint der Mensch bei einem Todesfall? Schwer zu erklären. Fallende Tränen, von denen im Qur’an gesprochen wird, sowie diesbezügliche Überlieferungen aus dem Leben des Gesandten erschweren die Suche nach der Antwort. Wegen des Schmerzes der Trennung etwa? Oder dass man jene Person nicht mehr sehen kann? Die an Gewissheit grenzende Hoffnung bezüglich ihres Platzes in Paradiesgärten kann das Trauergefühl nicht unterdrücken. Das ist das Menschliche, von dem auch Gesandten nicht verschont blieben. „Das Herz ist voll mit Trauer, und das Auge weint“ sprach das ehrwürdige Siegel der Gesandten, als sein Sohn Ibrahim als Kleinkind starb und aus seinen gesegneten Augen Tränen flossen. Wer wüsste und würde es besser kennen als einer, der bis zu einem „Abstand von zwei Bogen oder näher“ an die absolute Wahrheit kam, dass ein Kleinkind ohne weiteres das Paradies seinen Spielplatz nennen dürfte? Und wer wüsste es besser als einer, der durch den Tod beim „höchsten Freund“ angekommen ist? Ist er denn jetzt nicht zusammen mit seinem Sohn, glücklich bis in alle Ewigkeit?

Tagelang kommen immer wieder Bekannte ins Trauerhaus. Wenn sie kommen und sich hinsetzen, bitten sie am Anfang des Besuches und vor dem Abschied die Anwesenden, die Fatiha, die Eröffnungssure des Qur’an, „für das Heil der Seele der Verstorbenen und für die Seelen der gesamten verstorbenen Gläubigen und für das Wohlwollen Allahs“ zu rezitieren. Unzählige Male wird Al-Fatiha rezitiert, von jedem Besucher. Drei Tage lang übernehmen die Bekannten und Nachbarn die Verpflegung der Trauernden; bis in die Nacht versuchen sie, die Familie mit ihrem Kummer nicht allein zu lassen. Es wird aus den alten Zeiten erzählt, die Stimmung wird somit ein wenig aufgelockert und der Familie geholfen, in die Realität zurückzukehren.


In bestimmten Abständen werden für die Verstorbene manchmal der ganze Qur’an, manchmal einige Suren rezitiert, für das Seelenheil der Verstorbenen und „derjenigen Verstorbenen, deren Verwandtschaft ausgestorben ist und die jetzt in ihren Gräbern fragen: ‘Gibt es niemanden, der auch für unser Seelenheil Qur’an rezitieren würde?’“. Insbesondere das Mehl-Helva, eine kostengünstige Süßigkeit bestehend aus Mehl, Zucker, Butter und Wasser, wird zubereitet und an die Nachbarn verteilt.

Tränen fallen trotzdem ab und zu im stillen Eckchen; auch aus Männeraugen. Wenn es einem Zuteil werden soll, so öffnet Er die Augen, und der dicke Schleier der Unachtsamkeit wird gelüftet. Der Mensch, dem es gelingt, das Geschehen, das Ableben der Verwandten als „den besten Ratschlag“ zu realisieren und somit ein dem Qur’an konformes Leben zu führen beginnt, hat sozusagen Glück im Unglück.

Auch im deutschsprachigen Raum braucht man Vorbilder für eine islamkonforme Kondolenz. Die islamischen Länder bieten dafür eine große Auswahl an Traditionen, die in Jahrtausenden entstanden und islamisch sind. Da hierzulande auch muslimische Verstorbene mit ausgestorbener Verwandtschaft durchaus möglich sind, werden auch die Leser somit darum gebeten, eine Fatiha zu rezitieren „für das Heil der Seele der gesamten verstorbenen Gläubigen und insbesondere für diejenigen Verstorbenen, deren Verwandtschaft ausgestorben ist und die jetzt in ihren Gräbern fragen: „Gibt es denn niemanden, der auch für unser Seelenheil eine Fatiha rezitieren würde?“, und „für das Wohlwollen Allahs des Erhabenen“.

O Allah führe mich auf dem Weg der Weisen!

Kemal06 Offline

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Beiträge: 559

01.05.2007 14:41
#4 RE: Warum sterben und hinter die Fassade gucken ?! antworten
Ein König hat in Damaskus unter seinen Soldaten einen jungen Offizier, der ihm sehr lieb ist. Eines Tages stürzt dieser junge Offizier ganz aufgeregt in den Thronsaal des Königs: " Herr, ich bitte dich: Leihe mir dein schnellstes Pferd. Ich muss sofort nach Bagdad reiten."

" Und warum?", fragte der König erstaunt.

"Als ich eben durch den Garte deines Palastes ging, sah ich den Tod dort stehen. Er drohte mir, dass ich bald sterben würde. Ich möchte vor ihm fliehen."

Der König gibt ihm das Pferd. Doch dann geht er selbst in den Garten. Er will sehen, ob er den schrecklichen Besucher noch finden kann. Und siehe da, der Tod steht noch an derselben Stelle.

"Wie kannst du meinen treuen Diener bedrohen?" fragt der König. "Und das im Garten meines Palastes?"

"Ich habe ihm nicht gedroht" , sagt der Tod. " Ich habe nur vor Verwunderung die Hände erhoben und zusammen geschlagen."

" Was für eine schlechte Ausrede!" , sagt der König. " Doch, doch es ist so!" , versichert der Tod.

"Ich habe den Auftrag ihn heute Abend fern von hier in Bagdad zu treffen. Dort soll er sterben. Und ich bin verwundert, dass er noch hier in Damaskus ist."

Allah einzig und allein weiß wo, wie und wann wir dem tod begegnen und mit schahada in unseren lippen.

Allahutealaaa möge uns alle mit Schehada sterben lassen, um des Propheten Muhammed Sallallahualeyhiwesellem's willen.

O Allah führe mich auf dem Weg der Weisen!

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