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(Islam ist “Frieden, Reinheit, Hingabe” und “Gehorsam”) "Der Mensch ist Richter über die Worte die er noch nicht ausgesprochen hat und Gefangener seiner Worte nachdem er es ausgesprochen hat." Hazreti Ali 7.Jh & 'Daß du das Band knüpfst zu dem, der es zerreßt; daß du verzeihst dem, der dir Unrecht tut; daß du gibst dem, der dich beraubt."(Der Prophet Muhammed sallallahu 'aleihi wesellem)
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Dieses Thema hat 1 Antworten
und wurde 490 mal aufgerufen
 POLiTiK
Kemal06 Offline

Mitglied

Beiträge: 559

21.03.2007 20:25
Die Entstehung der Multikulturpolitik ?! antworten

Multikulturalismus
Die kanadische Einwanderungsgesellschaft hat den Multikulturalismus nicht quasi automatisch hervorgebracht. Bis in die Mitte des 20. Jahrhunderts hinein war Kanada eine primär anglo-konformistische Gesellschaft, und der Umgang der britischen Mehrheit mit einigen Minderheiten trug ausgeprägt hegemoniale, rassistische und segregationistische Züge. So sahen sich z.B. die angeworbenen Arbeiter aus China Ende des 19. Jahrhunderts rassistischen Übergriffen ausgesetzt, nachdem sie nicht mehr für den Eisenbahnbau gebraucht wurden. Die Agitation der "Asiatic Exclusion League" - einer ihrer Slogans: "We don't want Chinamen in Canada. This is a white man' s country(...)" ("Wir wollen keine ,Chinamen` in Kanada. Dies ist ein Land des weißen Mannes (...)") - malte das Gespenst der "gelben Gefahr" an die Wand. In der Folge immer höherer Kopfsteuern für chinesische Einwanderer und eines Einwanderungsverbots in den Jahren 1923 - 1947 kam der Zuzug aus China völlig zum Erliegen. Die Wunden, die durch die Kampagnen gegen die "Chinamen" geschlagen wurden, sind heute noch in öffentlichen Diskussionen spürbar.

Erst nach dem Zweiten Weltkrieg setzte ein Umdenken ein - nicht zuletzt deshalb, weil Ureinwohner und asiatische Minderheiten in der kanadischen Armee im Zweiten Weltkrieg ihren Blutzoll entrichtet hatten und Einwanderer im Zuge des Wirtschaftsbooms der Nachkriegszeit wieder dringend gebraucht wurden.

Die eigentlichen politischen und auch ideellen Anstöße für den Multikulturalismus gingen vom traditionellen Konflikt zwischen Anglo- und Frankokanadiern aus. Die separatistischen Bestrebungen in der frankokulturellen Provinz Québec in den sechziger Jahren zwangen dazu, das Miteinander der beiden "Gründerkulturen" zu überdenken. In diese Debatte um den kanadischen Bi-Kulturalismus klinkten sich die europäischen Minderheiten als "dritte Kraft" wirkungsvoll ein, und es war nahezu zwingend, dass dabei der Bi-Kulturalismus zum Multi-Kulturalismus weitergedacht und -entwickelt wurde. Und der Multikulturalismus konnte politische Wirkung entfalten, weil die europäischen Minderheiten inzwischen zu einem beachtlichen Wählerpotenzial herangewachsen waren, das keine Partei ohne Schaden ignorieren konnte. Überspitzt kann man sagen: Der Multikulturalismus ist ein unbeabsichtigtes Nebenprodukt des Québec-Separatismus.

O Allah führe mich auf dem Weg der Weisen!

Kemal06 Offline

Mitglied

Beiträge: 559

21.03.2007 20:32
#2 RE: Die Entstehung der Multikulturpolitik ?! antworten

Kritik aber kein Sturtz

Der Multikulturalismus blieb und bleibt in Kanada nicht unwidersprochen. Die Quebecer und die "Ersten Nationen" meldeten von Anfang an grundlegende Vorbehalte an, weil sie nicht zu einer ethnischen Gruppe unter vielen herabgestuft werden wollten und um ihre Sonderrechte als "Gründernation" bzw. als Ureinwohner (als "citizens plus"[7]) fürchteten. Aus dem linken Spektrum kommt der Vorwurf, der Multikulturalismus lenke durch "rhetorischen Schnörkel" und folkloristisch-kulinarische Festivals von den eigentlichen Problemen der ethnischen Minderheiten ab; er sei ein ausgeklügeltes Manöver, um die Wählerstimmen der ethnischen Minderheiten einzufangen und gleichzeitig von deren realen Schwierigkeiten abzulenken.[8] Andere sehen im Multikulturalismus - mit seiner automatischen Klassifikation der Menschen nach Rasse und Herkunft - eine Form des verschleierten, politisch korrekten Rassismus.[9] Und im rechten Spektrum befürchtet man insbesondere Zerfallserscheinungen durch Ethnisierung - die "Tribalisierung", "Balkanisierung" oder auch "Babylonisierung" der kanadischen Gesellschaft; den Aufbau sozialer Mauern durch eine zu starke Identifikation mit den ethnischen Eigengruppen; die Aushöhlung der westlich-europäisch geprägten Kultur durch Wertrelativismus.[10]

Die kurz skizzierte Diskussion um den Multikulturalismus ist gleichzeitig eine Warnung davor, die kanadische Situation zu idealisieren: Philosophie und Realität des Multikulturalismus decken sich nicht immer. In diesem Zusammenhang ist auch erwähnenswert, dass die multikulturelle Staatsideologie die bei Teilen der kanadischen Bevölkerung herrschende rassistische Einstellung nicht beeinflussen konnte[11] und gerade in jüngster Zeit die Warnungen vor zu vielen Einwanderern lauter geworden sind.[12]

Die kritischen Einwände und die Hinweise auf Probleme haben allerdings das allgemeine Selbstverständnis Kanadas als multikulturelle Gesellschaft nicht ernsthaft erschüttern können. Unter den politischen Eliten außerhalb Québecs und jenseits der "Ersten Nationen" werden die Prinzipien des Multikulturalismus parteiübergreifend anerkannt - nicht zuletzt um "ethnische Wähler" nicht zu verprellen. Wer in Kanada eine Kampagne "Kinder statt Inder" unterstützen oder Zuwanderer in solche, "die uns nützen", und solche, "die uns ausnützen", unterteilen würde, wäre umgehend von der politischen Bildfläche verschwunden. Die politischen Eliten spiegeln dabei durchaus die Grundstimmung in der Bevölkerung wider. In den Repräsentativumfragen der neunziger Jahre wird der Multikulturalismus von einer stabilen Mehrheit von 60 bis 70 Prozent der Kanadier unterstützt.[13] So stimmten z.B. 1999 74 Prozent der Kanadier der Aussage zu, "unser multikulturelles und multirassisches Make-Up" sei ein "wichtiger Teil dessen, was uns zu Kanadiern macht". Nur ein geringer Teil der Bevölkerung lehnt den Multikulturalismus explizit ab.[14]

O Allah führe mich auf dem Weg der Weisen!

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